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Verbotene Früchte

Die Inspiration zu den „verbotenen Früchten“ fand Georg Janthur 2014 beim Spaziergang durch den Botanischen Garten in Düsseldorf. Dort erregten kleine unscheinbare Früchte und Blüten seine Aufmerksamkeit und es entstanden erste Bleistiftzeichnungen von kleinen Kakteenblüten. Auf einer Reise nach Griechenland hielt er weitere Pflanzenmotive in Skizzen fest. Im Atelier wurden daraus anschließend frei verwandelte Kreationen unbekannter Gewächse. ...

Über mehrere Jahre hinweg wuchsen so eine Reihe von Arbeiten, die als „Schoten“, „Frucht“, „Samenkapsel“ oder „Dolde“ tituliert sind. Die Skulpturen tragen Bildtitel wie „Pyrus cinea“, „Platorata salvi“, „Estrela“ und „Pitillo lingui“ , die als pseudobotanische Bezeichnungen, erfundene Kreationen des Künstlers sind. Es ist nicht ganz einfach sich in der heutigen Zeit als Künstler an Blumendarstellungen zu wagen. Doch die exotische Blütenpracht Janthurs gedeiht auf einem Nährboden, der botanische Studien mit abstrakter Formensprache vermischt. Naturstudien in der unmittelbaren Umgebung wie auch auf Reisen gemacht und ihre künstlerische Transformation gehen eine Symbiose ein, die keineswegs romantisch, sondern gleichermaßen geheimnisvoll wie bedrohlich wirkt. Die massiven Holzskulpturen sind ausschließlich mit der Kettensäge zugeschnitten. Egal wie lang und schlank oder kompakt und rund die Formen sind, alle Gebilde sind aus einem Stück herausgearbeitet, keine Form ist mehrteilig zusammengefügt.

Der Titel „Garten der verbotenen Früchte „ spielt auf ein altes Thema der Kunstgeschichtliche an. In der sakralen Kunst des Mittelalters stand der „Hortus concluses“, der geschlossene Garten, sinnbildhaft für die Jungfrau Maria. Dieser Garten hier führt uns jedoch wohl eher die weltlichen Auswüchse von Fantasie und Forschung vor Augen. Könnten derart unnatürlich große Schoten oder deformierte Früchte doch ebenso gut menschlichem Forscherwahn und genetischen Experimenten entstammen. 

Ariane Hackstein